Buchempfehlung – Stars und Liebe unter dem Hakenkreuz

In ihrem Buch „Mag’s im Himmel sein, mag’s beim Teufel sein“ wirft Evelyn Steinthaler einen Blick auf vier Künstler der NS-Zeit, die eines gemeinsam haben: die Partnerin/Ehefrau war Jüdin. Auf unterhaltsame und informative Weise stellt die Autorin dar, wie verschieden diese vier Männer damit umgingen, nach den menschenverachtenden Regelungen der Nazidiktatur „jüdisch versippt“ zu sein. Dieser und andere widerlichen Ausdrücke aus der NS-Zeit werden im ganzen Buch in Anführungszeichen gesetzt, was ich sehr gut finde.

Zu Beginn des Buches erfolgt ein (etwas trockener) Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Ehegesetzgebung und des Antisemitismus über Jahrzehnte, was bereits nützliches Hintergrundwissen gibt. Auch die Gesetzgebung der Nazis wird hier gut in den Zusammenhang gesetzt und erklärt, so kommt auch die Willkür und der Irrsinn dieses ganzen „Rassen“wahns gut heraus.

Bevor wir uns den vier behandelten Künstlerpaaren zuwenden, gibt die Autorin in einem Kapitel einen allgemeinen Überblick über die Lage der Künstler zur NS-Zeit. Dies liest sich sehr interessant, es waren für mich viele neue Informationen dabei und dieses Kapitel ist, wie auch die folgenden, gut erzählt. Lediglich die krampfhaft verwendete -Innen-Form (KünstlerInnen, FreundInnen, KollegInnen) ist anstrengend und nicht angenehm zu lesen. Dieser allgemeine Überblick über die Künstlerwelt jener Zeit zeigt gut, wie verschieden Künstler auf die Dikatur reagierten. Sehr mutige Lebensgeschichten sind hier enthalten, leider auch viele tragische, eine Vielfalt an gut berichteten Schicksalen.

Den vier näher behandelten Künstlerpaaren ist je ein Kapitel gewidmet. Diese Kapitel sind durchweg sehr gut zu lesen, hatten für mich viele neue Informationen und zeigen hervorragend auf, wie unterschiedlich die jeweiligen Paare mit ihrer Situation umgehen. Dies wird auf angenehm neutrale Weise berichtet. Evelyn Steinthaler gibt uns die Fakten, stellt einige Fragen und Überlegungen zu Motivationen an, urteilt aber nie. Gerade bei Stars wie Heinz Rühmann, deren Rolle in der NS-Zeit schwer einzuschätzen ist, wirkt diese differenzierte Art der Autorin sehr angenehm. Wir Leser können uns ein eigenes Bild machen, bekommen keine Antworten auf dem Silbertablett serviert und sehen auch, daß es manchmal schlichtweg keine Antworten gibt.

Das letzte (leider wieder etwas trockene) Kapitel wirft einen kritischen Blick auf die von NS-Künstlern so gerne genutzte Entschuldigung, man sei doch gänzlich unpolitisch und nur Künstler gewesen. Auch die Brücke zur heutigen Zeit wird geschlagen, mit dem leider wirklich wieder notwendigen Hinweis, daß Ausgrenzung und Diffamierung Anderer durchaus wieder bei einigen Leuten salonfähig ist. Der letzte Satz des Buches ist hervorragend gewählt: „Um es mit Primo Levi zu sagen: ‚Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.'“

Das Buch weist zudem zahlreiche Abbildungen auf, die den Text sehr anschaulich ergänzen. Im Anhang finden sich viele Literaturhinweise, von denen ich ganz sicher einige Bücher lesen werde.

So bietet „Mag’s im Himmel sein, mag’s beim Teufel sein“ einen fast durchweg sehr gut geschriebenen Blick auf dieses Thema, mit für mich vielen neuen Informationen und Hintergründen. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

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