Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil I

Wenn  man zwei Bücher über eine Leipziger Familie geschrieben hat, dann wäre es doch schon fast unerhört, nicht auf die Leipziger Buchmesse gehen. Bücher und Leipzig – die Überschneidung ist perfekt. Hinzu kommt, daß ich mir eine Möglichkeit, mein Leipzig zu besuchen, sehr ungerne entgehen lassen, aber während der Messe ist es eben so furchtbar voll, und ich mag es lieber wundervoll leer.

Egal, das ist die einmalige Möglichkeit, die Leipziger Familie Schönau zurück nach Leipzig zu bringen und sie dort den jubelnden Massen (ahem) zu präsentieren. Die Planung beginnt natürlich schon viele Monate im Voraus. Ich war im November gerade von meiner ersten Lesung in Düsseldorf zurückgekehrt, habe gemerkt „Ich kann Lesungen“, und das muß wohl jemand in Leipzig gespürt haben, denn direkt am darauffolgenden Tag wurde ich angerufen und gefragt, ob ich Interesse an einer Lesung während der Buchmesse hätte. Ganz sicher sei es noch nicht, meinte der nette Herr, sie würden einige Möglichkeiten eruieren und wollten vorab nachfragen. Noch ganz im Düsseldorf-Lesungs-Euphoriehoch habe ich spontan (also gänzlich gegen meine Natur) zugesagt. Und angefangen zu überlegen. Lesungen in Leipzig, das wäre doch generell ein Träumschen, wie die Sachsen sagen. Passend dazu bot der Selfpublisher-Verband für seine Mitglieder die Vermittlung von Lesungen an. Und da es kontraproduktiv ist, wenn ich bei solchen Entscheidungen zu viel Zeit zum Nachdenken habe, habe ich auch da gleich die Möglichkeit genutzt und meine Informationen hingeschickt. Auch hier würde es noch davon abhängen, ob sich eine interessierte Lokalität fände. Sicher war für mich nämlich, daß ich in der Stadt lesen wollte. Das Messegelände, mit so vielen Menschen auf so – verhältnismäßig – engem Raum war mir einfach zu viel.

Und dann entwickelte sich einiges ganz von selbst. Aus der ersten Lesung wurde nichts, aber man hat mich für spätere Veranstaltungen weiterhin auf der Liste. Die Selfpublisher-Verband-Vermittlung klappte wundervoll, recht bald standen Termin und Lokalität fest. Und dann kam noch eine weitere Anfrage im Rahmen der „Leipzig liest… an Leipzigs längster Straße“. Das Euphoriehoch vom November hatte allerdings schon wieder nachgelassen (wie das Euphoriehochs eben so tun …) und der Gedanke, zwei Lesungen im Rahmen der Buchmesse zu halten, war durchaus beängstigend. Es ist immerhin die Buchmesse!! (Oder wie meine Mutter dann so richtig sagte: „Die Buchmesse ist ein Ort für Menschen, die Bücher mögen und gerne lesen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.“)

Ich griff zum Hilfsmittel aller chronisch unspontanen Sorgenmacher und machte mich an die Planung. Hotels sind in Leipzig zur Messezeit schnell ausgebucht und für mich ist Leipzig ohne den Fürstenhof nicht komplett. Den Fürstenhof habe ich tatsächlich durch meine Bücher kennengelernt, gleich mehrere meiner Charaktere, darunter einer meiner Lieblingscharaktere, sind felsenfeste Fürstenhof-Fans. Umso mehr ich mich mit der Geschichte dieses Hotels beschäftigte, desto mehr wurde ich dann selbst zum Fan. Seit der ersten Übernachtung dort und einem hervorragenden Cocktail in der entzückendsten kleinen Säulenhalle überhaupt gibt es in Leipzig für mich keine anderen Übernachtungsoptionen mehr. – Ich hatte Glück! Der Fürstenhof hatte noch Zimmer frei und ich war sogar die Erste, die das brandneue Buchungssystem auf der wegen Eigentümerwechsels brandneuen Webseite benutzte. Nun wußte ich, selbst wenn die Lesungen völlig schiefgehen würde ich wenigstens in angemessener Kulisse weinen können.

Nach und nach nahm also alles Formen an. Die beiden Lesungen in der Stadt waren fest, und dann kam noch eine Anfrage von Lovelybooks. Hier würde es ein Speed Dating mit Selfpublishern geben – ob ich teilnehmen wollte? Ich liebe Lovelybooks und habe mich deshalb natürlich besonders gefreut, gefragt worden zu sein. Schnell zusagen, bevor das Pessimismuszentrum zuschlägt. Und nun würde ich mich also doch auf’s Messegelände wagen müssen. Die Menschen … Die vielen Menschen …

So hatte ich Anfang des Jahres also eine Reservierung für das wundervollste Hotel Leipzigs, drei feste Veranstaltungen für die Buchmesse und konnte die Nervosität noch durch „ist ja noch soooo lange hin“-Gedanken in Schach halten. Im Februar dann die nächste Überraschung – im ZeitPunkt Kulturmagazin wurden meine Bücher auf Seite 20/21 als „Leipziger Lektüre“ vorgestellt. Ein tolles Gefühl.

Dann näherte sich der Februar schon seinem Ende und so langsam ging das mit dem „ist ja noch soooo lange hin“ nicht mehr. Also ran an die nächsten Schritte. Die Vorabstimmung mit den beiden Lesungslokalitäten verlief sehr angenehm und ich habe gemerkt, daß sowohl Frau Schmidt vom Magistralenmanagement (1. Lesung) wie auch Frau Ketzel-Grüneberg vom Luftraum (2. Lesung) wundervoll engagiert waren. Die Feinarbeit von meiner Seite her war auch bald erledigt, die Szenen waren ausgesucht und immer wieder geprobt worden (zur Irritation meiner Katzen), die Nerven aller Freunde und Familienmitglieder hatte ich auf’s Äußerste strapaziert (alle standen mir wundervoll zur Seite und die vielen guten Wünsche, die ich erhielt, haben mich sehr gerührt) und so war es für die geistige Gesundheit aller in meinem Umfeld höchste Zeit, daß die Buchmesse endlich anfing.

Zitternd trippelte ich am 22. März in meinen Zug nach Leipzig. Zur Lektüre hatte ich mir das ganz wundervolle „Wir in den schönsten Farben“ mitgenommen, in dem ich eine ebenfalls recht unsichere Protagonistin literarisch begleiten konnte. Es war die perfekte, mutmachende (und zudem herrlich geschriebene) Lektüre für die Fahrt. Die Deutsche Bahn hatte ausnahmsweise mal ein Einsehen und ich kam ohne Verspätungen und andere Zwischenfälle (im letzten Jahr hätte ich über meine Erfahrungen mit der DB eine Tragikomödie schreiben können) in Leipzig an und zitterte mich zum Fürstenhof.

Dieser empfing mich mit der vertrauten Mischung aus Eleganz und zwangloser Freundlichkeit. Genau das brauchte ich. Kurz das Zimmer genossen, dann die Füße in die hohen Schuhe gekämpft (flache Schuhe bei der Buchmesse sind für Weicheier 😉 ) und auf ging’s zur ersten Lesung. Das Leipzig-Abenteuer hatte begonnen….

Im nächsten Eintrag geht’s weiter.

 

Ein Kommentar zu „Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil I

  1. Danke, dass Du uns an dieser Erfahrung teilhaben lässt – es ist einfach köstlich geschrieben! Ich wusste gar nicht, dass das alles noch so neu für dich war. Am meisten grinsen musste ich bei der „angemessenen Kulisse zum weinen“ und den (flachen) „Schuhen für Weicheier“…👍🏽

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