Buchempfehlung: Kämpfen. Leiden. Lieben (Leben im Schwarzwald)

Ich finde es immer herrlich, wenn Bücher über Geschichte über Jahreszahlen und Herrscher und Berühmtheiten hinausgehen und uns das ganz normale Alltagsleben der ganz normalen Leute beschreiben. Deshalb war ich gleich angetan vom Konzept dieses Buches, das genau meinem Vorlieben und auch meinem Vorgehen beim Schreiben entspricht: „Geschichte über spannende Geschichten zu veranschaulichen (…). Im Mittelpunkt stehen dabei nicht bekannte Herrscher und die große Politik, vielmehr schildern die 16 Miniaturen dieses Buches das Schicksal einfacher Leute.“ (Klappentext). Dieses Buch hat wirklich Spaß gemacht!

In „Kämpfen. Leiden. Lieben“ gibt Thomas Binder uns einen historischen Überblick über das Leben der ganz normalen Schwarzwälder. Keine gekrönten Häupter, keine Berühmtheiten, sondern alltägliche Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Das an sich fand ich schon sehr erfreulich und zudem wurde diese gute Idee auch noch ausgezeichnet umgesetzt.

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Schon die Gestaltung des Buches ist hochwertig. Es ist gebunden und weist zahlreiche Abbildungen auf, davon viele in Farbe. Diese sind von hervorragender Qualität, abgesehen von einem Nachtfoto des Freiburger Münsters, auf dem man so gut wie gar nichts erkennen kann. Die Abbildungen sind gut gewählt und vielfältig. Auch sonst steht die innere Gestaltung dem ansprechenden Einband nicht nach – hier gibt es Liebe zum Detail und ich habe mich beim Lesen oft daran gefreut. Nur eine Karte habe ich schmerzlich vermißt.

In 16 Kapiteln lernen wir das Leben im Schwarzwald unter jeweils einem Aspekt kennen, so z.B. unter der Überschrift „leiden“ die Krankheiten, unter „zaubern“ der Glaube an die Magie oder unter „hoffen“ etwas über Armut und Not. Die Themen sind breit gefächert und ich war beeindruckt, wie viele Informationen wir hier auf unter 200 Seiten erhalten.

Zu Beginn jedes Kapitels stellt Thomas Binder uns eine konkrete Person und ihr zum jeweiligen Thema passendes Anliegen vor. Dieser Ansatz gefällt mir, stellt er doch gleich einen persönlichen Bezug her. Menschen aus lange vergangenen Jahrhunderten werden uns mit ihren Sorgen, Freuden und Nöten ganz nah gebracht. Dazu trägt auch der angenehme Schreibstil bei, der es schafft, aus den schriftlichen Quellen, aus bloßen Namen die Persönlichkeiten farbig von den Seiten treten zu lassen. Bei manchen Schicksalen habe ich mitgefiebert wie bei einem Roman. Von diesem persönlichen Schicksal aus geht es dann zu den allgemeineren Informationen über. Wie bereits erwähnt, gibt es hier sehr viele Informationen, der Schreibstil schafft es, sich auf’s Wesentliche zu beschränken und doch viele Details zu präsentieren. Das hat mir ausgezeichnet gefallen. Nur beim Thema Krieg wurde nach einem Schicksal aus dem 30jährigen Krieg der Rest etwas summarisch abgehandelt – über den Schwarzwald im Zweiten Weltkrieg hätte ich doch gerne mehr gelesen. Aber das war eine Ausnahme, insgesamt war ich sehr angetan von den präsentierten Informationen. Ich habe mich nie gelangweilt, stets interessiert gelesen und richtig viel gelernt, das auf unterhaltsame Weise.

Der Autor nennt uns stets die verwandten Quellen – spezifisch per Fußnote und dann noch durch ein erfreulich umfangreiches Quellenverzeichnis. Man sieht hier, wie viel Sorgfalt und Arbeit in die Recherche gesteckt wurden und ich werde nach manchem angegebenen Buch des Quellenverzeichnisses Ausschau halten. Hervorragend auch, daß jedem Kapitel einige Tips für Sehenswürdigkeiten oder gelegentlich einem Roman nachgestellt sind, die zum jeweiligen Thema passen.

So haben wir mit „Kämpfen. Leiden. Lieben.“ ein erfreulich informationsreiches Buch über das Leben im Schwarzwald durch viele Jahrhunderte, mit gut ausgewählten Themen, sorgfältiger Recherche und einem Text, dessen Lektüre Spaß macht. Gelungener geht es eigentlich nicht!

 

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