Buchempfehlung: Kämpfen. Leiden. Lieben (Leben im Schwarzwald)

Ich finde es immer herrlich, wenn Bücher über Geschichte über Jahreszahlen und Herrscher und Berühmtheiten hinausgehen und uns das ganz normale Alltagsleben der ganz normalen Leute beschreiben. Deshalb war ich gleich angetan vom Konzept dieses Buches, das genau meinem Vorlieben und auch meinem Vorgehen beim Schreiben entspricht: „Geschichte über spannende Geschichten zu veranschaulichen (…). Im Mittelpunkt stehen dabei nicht bekannte Herrscher und die große Politik, vielmehr schildern die 16 Miniaturen dieses Buches das Schicksal einfacher Leute.“ (Klappentext). Dieses Buch hat wirklich Spaß gemacht!

In „Kämpfen. Leiden. Lieben“ gibt Thomas Binder uns einen historischen Überblick über das Leben der ganz normalen Schwarzwälder. Keine gekrönten Häupter, keine Berühmtheiten, sondern alltägliche Menschen in ihrem alltäglichen Leben. Das an sich fand ich schon sehr erfreulich und zudem wurde diese gute Idee auch noch ausgezeichnet umgesetzt. Weiterlesen „Buchempfehlung: Kämpfen. Leiden. Lieben (Leben im Schwarzwald)“

Buchempfehlung: Der letzte Tanz. Der Untergang der russischen Aristokratie.

Wie ich bereits in einem früheren Artikel erwähnt habe, führt mich meine Recherche oft zu Themen, für die ich mich außerhalb der für das Schreiben benötigten Informationen interessiere. Eines dieser Themen ist der Adel in Russland während und nach der Revolution. Als Teenager hatte ich The House by the Dvina gelesen, einen bewegenden Bericht aus erster Hand über eine Kindheit in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich wusste damals wenig über die russische Geschichte und der Epilog des Buches schockierte mich – so viele der Familienmitglieder (keine Adligen, sondern wohlhabende bürgerliche Russen) kamen in den Jahren nach der Revolution ums Leben, besonders während Stalins Terrorregime. Naiv wie ich damals war, konnte ich nicht begreifen, warum eine Regierung Leute verhaftete und tötete, die absolut nichts falsch gemacht hatten. Das Buch weckte mein Interesse an Russland und über die Jahre habe ich mehr über die lange und faszinierende Geschichte dieses Landes gelesen. Als ich anfing, die Allender-Trilogie zu planen, wollte ich etwas von der russischen Magie in der Geschichte und so spielen einige Szenen in St. Petersburg.

Ich recherchierte gründlich die für die Trilogie relevante russische Geschichte und Lebensart. Die Beteiligung Russlands an der Allender-Trilogie endet mit der Revolution, aber ich wurde neugierig. Was war mit dem russischen Adel geschehen – viele wurden getötet, viele entkamen. Sind manche geblieben und wenn ja, haben sie überlebt? Ich wusste es nicht – es gibt nicht viel Material über russische Adlige nach der Revolution. Daher habe ich mich gefreut, das Buch „Der letzte Tanz. Der Untergang der russischen Aristokratie.“ zu finden, das ich in der englischen Version las. Weiterlesen „Buchempfehlung: Der letzte Tanz. Der Untergang der russischen Aristokratie.“

Buchempfehlung: Deutschland – Erinnerungen einer Nation

Momentan lese ich mich durch die dreibändige deutsche Geschichte 1800 – 1918 von Thomas Nipperdey. Das Werk ist ausgesprochen informativ, erklärt viele Zusammenhänge und wird noch einen eigenen Blogeintrag erhalten. Bei über 2.000 Seiten kann man sich vorstellen, daß man die Bücher nicht mal eben so weglesen kann.

Wer sich die deutsche Geschichte etwas leichter und flotter erlesen möchte, sollte zu „Deutschland  – Erinnerungen einer Nation“ („Germany – Memories of a Nation“) greifen.

Dieses Buch zu lesen war ein wahres Vergnügen! Anhang von Objekten aus der deutschen Vergangenheit macht man eine Reise in verschiedene historische Epochen Deutschlands und erliest sich so auf sehr unterhaltsame Art die deutsche Geschichte. Das Buch geht nicht chronologisch vor, jedes Kapitel behandelt in sich abgeschlossen einen Aspekt oder eine Person der Geschichte und berichtet von dort ausgehend über den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext. Weiterlesen „Buchempfehlung: Deutschland – Erinnerungen einer Nation“

Schreiberfahrungen: Gastbeitrag der Autorin Lucy Blohm

Als Lucy Blohm Anfang des Jahres bei Lovelybooks eine Leserunde zu ihrem neuen Roman „Anna und der Goethe“ eröffnete, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Buch, in dem Goethe in die heutige Zeit reist, welch ein Traum! Ich war ein wenig neidisch auf die Protagonistin Anna, die eines Morgens Goethe (Goethe!!) in ihrer Küche vorfindet. Natürlich wollte ich wissen, wie diese Idee umgesetzt worden war. Die Leseprobe versprach einen flotten Stil und guten Humor. Der gute Eindruck wurde bestätigt, wie man auch hier meiner Rezension entnehmen kann.

Abgesehen davon, daß das Buch eine Freude war, entpuppte sich auch der Austausch mit der Autorin Lucy Blohm als Vergnügen. Das ist einer der vielen Vorteile von Lovelybooks – ich habe dort einige ganz tolle Autoren kennengelernt! Lucy Blohm hat ein weiteres Buch geschrieben, die Novelle „Mit gebrochenen Flügeln“, einer der Finalisten des Kindle Storyteller Awards 2018. Bei einer so guten Autorin, der die Balance zwischen Humor und Ernstem hervorragend gelingt, fand ich die Hintergründe der Buchideen interessant und fragte Lucy, ob sie ein wenig darüber für diesen Blog schreiben würde. Sie sagte sofort zu und hier haben wir nun Lucy Blohms eigene Zeilen, die einen tollen Einblick in das Schreiben, das Autorenleben bieten. Weiterlesen „Schreiberfahrungen: Gastbeitrag der Autorin Lucy Blohm“

Ein Blick auf die DDR und eine Buchempfehlung: Lydia. Vergebung.

Ich bin öfter gefragt worden, warum die Geschichte der Schönaus 1957 aufhört, warum ich das Leben einer der Hauptcharaktere in der DDR nicht beschrieben habe. Ich habe damals sehr kurz daran gedacht, nur einen Moment lang, und wußte sofort, daß ich diesem Thema keine Gerechtigkeit widerfahren lassen, es nicht annähernd beschreiben kann. Dazu bin ich einerseits zu spät geboren und zudem nicht in der DDR. Das habe ich auch in meiner gerade stattfindenden Leserunde genau so erklärt und geschrieben, daß ich der Meinung bin, daß kein Westdeutscher über das Leben in der DDR schreiben kann. Dem haben die Leserundenteilnehmer zugestimmt und konnten teilweise aus eigener Erfahrung berichten, daß man als Westdeutscher auch nach zwanzig Jahren des Lebens in der ehemaligen DDR nie annähernd begreifen kann, wie das Leben in der DDR war, wie es nachwirkt. Weiterlesen „Ein Blick auf die DDR und eine Buchempfehlung: Lydia. Vergebung.“

Buchempfehlung: Machtzerfall

Der gebürtige Friedberger Herfried Münkler hat sich 1983 daran gemacht, Zeitzeugenberichte über die letzten Kriegstage in Friedberg zu sammeln. Ergänzt durch offizielle Dokumente entstand somit ein detaillierter Blick darauf, wie jene Wochen im März bis Mai 1945 erlebt wurden. Auch wenn dieser Bericht auf Friedberg bezogen ist, so steht er doch exemplarisch für ähnliche Erfahrungen, die zu der Zeit auch in vielen anderen Städten gemacht wurden und veranschaulicht gut den im Titel erwähnten „Machtzerfall“. Ich fand es schön, die mir recht bekannte Stadt Friedberg beim Lesen veranschaulichen zu können und werde beim nächsten Besuch dort viele Orte mit neuem Interesse anschauen. Weiterlesen „Buchempfehlung: Machtzerfall“

Buchempfehlung: Die Schand-Luise

In „Die Schand Luise“ betrachtet Ulrike Grunewald das Leben einer wohl den meisten unbekannten Frau: Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800 – 1831), Schwiegermutter Queen Victorias. Die junge Dame betrachtet uns auf dem schlichten und gelungenen Titelbild mit großen Augen und der Andeutung eines in sich ruhenden Lächelns. Zu dem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, was für ein unruhiges und trauriges Leben sie erwarten wird. Weiterlesen „Buchempfehlung: Die Schand-Luise“

Buchempfehlung: Prairie Fires

Viele von uns kennen sicher die etwas süßliche Serie „Unsere kleine Farm“. Ich habe sie damals als Wiederholung gesehen, zu meiner Zeit war sie schon etwas angestaubt (die Serie wurde von 1974-83 produziert). Viele Episoden habe ich nicht gesehen, aber die Geschichte von Laura Ingalls, der sanften „Ma“ und dem für die Welt zu guten „Pa“, der fiesen Nellie und dem Prairieleben, die kannte ich hinreichend.

In „Prairie Fires“ (nur auf Englisch erhältlich) erzählt Caroline Fraser nun die wahre Geschichte und entfaltet auf über 500 Seiten eine reichhaltiges farbenfrohes Panorama nicht nur von Lauras Leben, sondern auch des sich über die Jahrzehnte ändernden Amerikas. Sie verwebt die Einzelschicksale der Ingalls mit der Landesgeschichte und auch wer mit „Unsere kleine Farm“ nichts anfangen kann, wird hier auf lesenswerte Weise viel über die amerikanische Geschichte und die davon berührten Menschen erfahren. Weiterlesen „Buchempfehlung: Prairie Fires“

Buchempfehlung: Willy Brandt in Erfurt

Es gibt Momente in der deutschen Nachkriegsgeschichte, die sofort Emotionen hervorrufen, bei denen ein Bild reicht, um sie zu vermitteln. So Brandts Kniefall in Warschau oder Genscher in der Prager Botschaft. Oder eben Willy Brandts Besuch in Erfurt, die jubelnden Menschen, sein Erscheinen am Fenster. Ich war zu der Zeit noch nicht einmal geboren, denke daran aber mit der gleichen Bewegung wie bei Genschers Rede in der Prager Botschaft. Immer, wenn ich in einem Zug sitze, der in Erfurt hält, betrachte ich den „Erfurter Hof“ direkt gegenüber vom Bahnhof, mit dem legendären Fenster. Über Jahre verfolgte ich traurig, wie das Gebäude vor sich hin verfiel. Nun ist es wieder schön hergerichtet und eine große Schrift „Willy Brandt ans Fenster“ erinnert an jenen denkwürdigen 19. März 1970. Weiterlesen „Buchempfehlung: Willy Brandt in Erfurt“

Buchempfehlung: Anna und der Goethe

Normalerweise empfehle ich hier nur historische Bücher, die zum Thema meiner eigenen Bücher passen, mir bei der Recherche und dem Hineinfühlen in die Gedanken und Gefühle der Menschen vergangener Zeiten helfen. Lucy Blohms „Anna und der Goethe“ ist nicht historisch, es ist ein in der heutigen Zeit spielender Entwicklungsroman. Aber abgesehen davon, daß es ein sehr unterhaltsames Buch ist, lernt man hier den guten Geheimrat Goethe mal von einer anderen Seite kennen. Für manche sicher auch ein toller Zugang zu unserem Universalgenie.

 

Am 9. Mai 1802 schrieb Goethe aus Jena an Schiller: „So einen, auf der äußern Form des Nächstvergangenen sich herumdrehenden Wahnsinn habe ich doch noch nicht gesehen. Doch wer will ein Wort für so eine Erscheinung finden. (…)Im Ganzen geht es mir hier sehr gut, und es würde noch besser gehen und werden, wenn ich meinen Aufenthalt noch einige Wochen hinausdehnen könnte.“

Die Sätze passen letztlich auch ganz gut auf Goethes Erfahrungen mit Anna in diesem lesenswerten Buch. Die Autorin beschreibt ihr Buch u.a. mit diesem Satz: „Wenn man den Roman in eine literarische Gattung stecken möchte, wäre es wohl ein lustiger Entwicklungsroman.“ Ich finde, diese Beschreibung passt gut. Wir begleiten Anna durch einen sehr ungewöhnlichen Entwicklungsprozess, wird dieser doch von Johann Wolfgang von Goethe persönlich unterstützt! Weiterlesen „Buchempfehlung: Anna und der Goethe“