Weihnachten bei den Schönaus, 1913

Ein Auszug aus „Bürgerin aller Zeiten„:

Luise und Wilhelm waren fast mit dem Schmücken des Weihnachtsbaums fertig. Wilhelm verteilte die letzten Lamettafäden, während Luise vorsichtig die Lauschaer Glaskugeln aufhängte. Dann sahen sie sich zufrieden an und Wilhelm küsste Luises Wange. Er war froh, dass sie wieder etwas besser aussah und nicht mehr so blass war. Sie trug ein grünes Samtkleid, welches hervorragend mit ihren blonden Haaren harmonierte.
Sie warf einen Blick auf den Baum. „Die Kinder werden begeistert sein. Es war gut, dass wir dieses Jahr einen größeren Baum geholt haben, und diese neuen Kugeln sind wunderschön.“
„Bäume leuchtend, Bäume blendend, überall das Süße spendend. In dem Glanze sich bewegend, alt und junges Herz erregend – solch ein Fest ist uns bescheret“, zitierte Wilhelm zufrieden.
„Wie praktisch, dass der gute Goethe zu jeder Lebenslage etwas zu sagen wusste“, neckte Luise ihn. „Ich läute jetzt.“
Bevor die Familie ihre Weihnachtsfeierlichkeiten begann, wurde das Personal beschert und konnte anschließend, während der Bescherung der Familie, in der Küche zusammen essen und ein wenig feiern. Auf das Läuten hin kamen die Köchin, Mathilde und Ilse, das zweite Dienstmädchen, ins Wohnzimmer. Jede erhielt ein praktisches Geschenk und ein Körbchen mit Süßigkeiten. Sie knicksten artig und begaben sich zu ihrer kleinen Weihnachtsfeier, während Wilhelm sagte: „Dann hole ich die Kinder jetzt ab. Sie werden bei den Krons sicher viel Spaß gehabt haben, Herr Kron sagte, dass sie heute die zweite Chanukka-Kerze anzünden, singen und spielen. Da haben die Kinder das Erlebnis von Chanukka und Weihnachten an einem Tag, das wird sicher lehrreich für sie sein.“
„Ich glaube, sie sind noch zu klein, als dass es lehrreich wird, aber sicher ist es eine interessante Erfahrung. Es ist nett, dass die Krons die Kinder eingeladen haben. – Ich hole die Geschenke und richte alles her.“
Gutgelaunt verließ Wilhelm das Haus und ging die stille Straße entlang. Es war niemand sonst zu sehen, dafür erstrahlten die Fenster der Häuser hell, in manchen Fenstern sah Wilhelm die zwei kleinen Flammen der Chanukka-Kerzen. Er wusste nur sehr wenig über Chanukka und andere jüdische Feiertage, nahm sich vor, seinen Kanzleikollegen in Zukunft öfter nach den Hintergründen und Bräuchen zu befragen. Es gab kaum ein Thema, an dem Wilhelm nicht interessiert war, sein Wissensdurst hatte damals sogar seine Lehrer überrascht.
In wenigen Minuten hatte er das Haus der Krons erreicht. (…) Das Dienstmädchen öffnete ihm, und während sie ihm Mantel und Hut abnahm, hörte Wilhelm schon Lottes fröhliches Lachen. Das Dienstmädchen führte ihn ins Wohnzimmer. Lotte saß mit den Krons am Tisch und drehte einen Holzkreisel, vor sich hatte sie eine beachtliche Menge an Süßigkeiten. Die Krons, deren Mienen ebenso vergnügt waren wie die Lottes, hatten ebenfalls Süßigkeiten vor sich, wenn auch wesentlich weniger. Dorchen saß auf einer weichen Decke und spielte mit Bauklötzen, während der kleine Heinrich in seinem Babykorb lag und friedlich schlief, neben ihm der Stubenwagen mit dem Sohn der Krons, Max. Albert Kron und seine Frau Meta standen auf, um Wilhelm zu begrüßen.
„Dr. Schönau, Sie möchten sicher einen Tee, Sie sehen ganz verfroren aus“, sagte Meta. Sie war eine kleine schlanke Frau mit funkelnden dunklen Augen und einem warmherzigen Lächeln, immer lebhaft und gut gelaunt.
„Sehr gerne, vielen Dank. Haben die drei sich denn gut benommen?“ fragte Wilhelm, während er Lotte über das Haar strich. Sie war noch immer in ihr Spiel mit dem Kreisel vertieft.
Meta schenkte eine Tasse starken Tees ein. „Natürlich haben sie sich gut benommen, sie waren entzückend. Lotte ist sehr gut im Dreidelspiel, sie hat schon ganz viele Süßigkeiten gewonnen.“
Meta setzte sich hin und auch die beiden Männer nahmen Platz.
„Dreidelspiel?“ fragte Wilhelm und nahm einen Schluck Tee.
Albert deutete auf den Kreisel. „Er hat vier verschiedene Symbole, auf jeder Seite eines. Man dreht ihn und schaut, welches Symbol oben liegt, daran sieht man, ob man etwas gewonnen hat oder etwas abgeben muss.“
Lotte schaute auf. „Frau Kron hat gesagt, sie kennt niemanden, der den Dreidel so gut dreht wie ich.“
„Das ist fein, Lotte“, lobte Wilhelm sie.
Meta sagte: „Sie hat so viel Spaß damit, wir haben überlegt, ob wir ihn ihr zu Weihnachten schenken. Wir haben natürlich noch ein Geschenk für sie, wenn Sie also etwas dagegen haben…“
„Warum sollte ich etwas dagegen haben?“
Meta und Albert sahen etwas verunsichert auf die hebräischen Buchstaben des Dreidels und Wilhelm verstand.
„Natürlich habe ich nichts dagegen. Aber bitte, nicht noch ein Geschenk. Die Kinder sollen zu Weihnachten von jedem nur ein kleines Geschenk bekommen, sonst wird es zu viel.“
(…)
Wilhelm trank seinen Tee und plauderte noch ein wenig, dann machte er sich mit seinen Kindern auf den Heimweg. (…) Zuhause wurden sie von Mathilde empfangen, die Lotte und Dorchen aus ihren Mänteln, Mützen und Handschuhen schälte.
Schließlich rief sie laut: „Ferdsch!“ und sofort hörte man aus dem Wohnzimmer ein zartes Klingeln.
„Nu, da will das Christkind wohl, dass ihr in de Stube schaut!“ rief Mathilde und öffnete fast zeremoniell die Türe zum Wohnzimmer, woraufhin Lotte und Dorchen neugierig ins Zimmer eilten, gefolgt von Wilhelm, der den Korb mit Heinrich hineintrug.
Die beiden Mädchen blieben überwältigt stehen, als sie den bunt geschmückten Weihnachtsbaum mit den vielen Kerzen sahen. Dann liefen sie zum Baum und schauten sich alles an, während Luise auf dem Klavier Alle Jahre wieder spielte. Nach dem Lied erhielten die Kinder ihre Geschenke und rissen ungeduldig das Papier ab.

Speziallager Nr. 2 – Buchenwald, 1945 – 1950

(Bild mit Creative Commons Erlaubnis zur Verwendung hier entnommen)

Eine auf der eigenen Familiengeschichte beruhenden historischen Roman zu schreiben, macht die Recherche über eine ohnehin so dunkle Epoche manchmal noch schwerer, denn hier spielt eine persönliche Komponente mit hinein. Das habe ich unter anderem bei der Recherche zum Speziallager Buchenwald sehr gemerkt. Ich war noch ein Kind, als meine Großtante erwähnte, daß ihr Ehemann nach dem Krieg dort interniert gewesen wäre und das „nach dem Krieg“ hat mich verwirrt, denn ich wußte nicht, daß sich die Geschichte mancher Lager auch in die Nachkriegszeit hinein erstreckte. Als junge Erwachsene fand ich in Buchenwald dazu auch keine Hinweise – die Dauerausstellung zum Speziallager wurde erst 1997 eröffnet. Während der DDR-Zeit wurde diese dunkle Zeit der Weiternutzung des Lagers völlig totgeschwiegen.

Als ich später mit meiner Großtante ein wenig mehr über das Thema sprach, war ich überrascht, wie wichtig es ihr war, mir zu erklären, dass ihr Mann in der Nazizeit nicht involviert war – kein Parteimitglied, Anhänger des Regimes, sondern ein ganz seinem Thema verhafteter Geisteswissenschaftler, der „keiner Fliege was zuleide tun konnte“. Was, nach allem was ich sonst hörte, auch stimmte, ich konnte nur nicht verstehen, warum meiner Großtante diese Klarstellung so wichtig war, denn ich hatte ohnehin keine Annahme in der Richtung getroffen oder ausgesprochen. Auch das verstand ich erst, als ich mich mit der Geschichte des Speziallagers und dem späteren Umgang damit zu DDR-Zeiten näher befaßte. Die Internierungen wurden unter dem Vorwand der Bestrafung von Naziverbrechern durchgeführt und jenen, die ihre Internierung überlebten und nachher in der DDR blieben, haftete das Stigma weiterhin an.

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Die Nürnberger Gesetze von 1935 und die Dienstmädchen

16. September 1935 in Berlin, Auszug aus „Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf“:
Dorchen nahm die Zeitung vom Tisch und hielt Richard eine Seite hin. Mit zitterndem Finger tippte sie auf den Text.
„Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes,“ las Richard vor. Er überflog den Text. „Eheschließungen und Beziehungen zwischen Juden und Ariern verboten. Das haben sie sich jetzt in Nürnberg einfallen lassen? Das ist ein weiterer Auswuchs ihres Irrsinns und sehr unschön, aber kein Grund zu weinen.“
Dorchen sah ihn stumm an, während die Tränen ihre Wangen hinunterliefen.
Plötzlich verstand Richard. „Oh.“
„Es ist schlimm genug, wenn man alles verheimlichen muss, weil man Angst vor den Reaktionen haben muss, aber nun macht man sich strafbar! Nur weil man jemanden liebt! Er würde mit Zuchthaus bestraft! Zum Schutz des deutschen Blutes, als ob die Juden verseucht wären! Wie kann denn so etwas Gesetz sein?“

Die am Vortag jenes Dialoges erlassenen „Nürnberger Gesetze“ sind wahrscheinlich jedem, der sich ein wenig mit der Nazidiktatur beschäftigt hat, ein Begriff. Dieses absurde Gesetz eines gesetzlosen Staates wurde durch Schaubilder illustriert, die genau zeigten, wann man „Deutschblütiger“, „Mischling 2. Grades“, „Mischling 1. Grades“ oder „Jude“ war. In einem zweiten Gesetz wurde den Juden zugleich noch die Bürgerschaft entzogen, Juden waren keine Reichsbürger mehr. Dies bedeutete unter anderem eine Entziehung des aktiven und passiven Wahlrechtes. Weiterlesen „Die Nürnberger Gesetze von 1935 und die Dienstmädchen“

Der 9. November in der Geschichte

Nun sind auch die beiden neuen Lovelybooks-Leserunden zu den Büchern der Schönau-Saga zu Ende. Es war erneut ein herrliches Erlebnis. Ich habe meine Erfahrungen aus meinen letzten Leserunden genutzt und diesmal die Bewerber sehr akribisch ausgewählt. Gut, auch hier gab es leider eine Teilnehmerin, die nach dem ersten Posting in der Versenkung verschwand, aber dafür gab es Teilnehmerinnen, die sich unglaublich toll eingebracht haben. Sehr überrascht war ich, als mehrere gleich zustimmten, nach der „Bürgerin aller Zeiten“-Runde gleich eine Runde mit Eigenexemplaren zu „Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf“ anzuschließen. Es ist schon außergewöhnlich, dies mit Eigenexemplaren zu machen und war für mich ein anrührendes Zeichen dafür, daß ich engagierte Leser habe. Die Kommentare waren in beiden Runden fundiert und sehr hilfreich für mich, die Diskussion hat wieder Spaß gemacht (und nun werden schon die Darsteller für die Verfilmung in der Runde überlegt – das nenne ich Hingabe! 😉 ).

Eines der Themen war natürlich auch, daß der 9. November nicht nur als geschichtliche Komponente eine Rolle spielte, sondern auch der Geburtstag der Hauptperson Lotte war, was die zahlreichen Ereignisse an diesem Tag verknüpfte und für die 1989 spielende Rahmenhandlung eine große Rolle spielte. Die Häufung von geschichtlichen Ereignissen an dem Tag ist vielleicht nicht jedem auf Anhieb bewußt, oder bekannt, deshalb hier ein Überblick über fünf geschichtlich bedeutende Ereignisse am 9. November. Weiterlesen „Der 9. November in der Geschichte“

Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil II

Die Räume des Infozentrums Georg-Schumann-Straße sind richtig klasse. Groß, hell, mit hoher Decke. Es war schon alles sehr schön hergerichtet und ich wurde freundlich empfangen. Als Begleitung zur Lesung hatte ich eine Präsentation mit gemeinfreien Fotos des Alten Leipzig dabei, so konnte ich die Handlungsorte gleich illustrieren und eine virtuelle Reise durch das wunderschöne Vorkriegsleipzig anbieten. Aufgrund der Großzügigkeit der Räume wurde diese Präsentation dann über mir herrlich großformatig angezeigt. Weiterlesen „Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil II“

Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil I

Wenn  man zwei Bücher über eine Leipziger Familie geschrieben hat, dann wäre es doch schon fast unerhört, nicht auf die Leipziger Buchmesse gehen. Bücher und Leipzig – die Überschneidung ist perfekt. Hinzu kommt, daß ich mir eine Möglichkeit, mein Leipzig zu besuchen, sehr ungerne entgehen lassen, aber während der Messe ist es eben so furchtbar voll, und ich mag es lieber wundervoll leer.

Egal, das ist die einmalige Möglichkeit, die Leipziger Familie Schönau zurück nach Leipzig zu bringen und sie dort den jubelnden Massen (ahem) zu präsentieren. Die Planung beginnt natürlich schon viele Monate im Voraus. Ich war im November gerade von meiner ersten Lesung in Düsseldorf zurückgekehrt, habe gemerkt „Ich kann Lesungen“, und das muß wohl jemand in Leipzig gespürt haben, denn direkt am darauffolgenden Tag wurde ich angerufen und gefragt, ob ich Interesse an einer Lesung während der Buchmesse hätte. Ganz sicher sei es noch nicht, meinte der nette Herr, sie würden einige Möglichkeiten eruieren und wollten vorab nachfragen. Noch ganz im Düsseldorf-Lesungs-Euphoriehoch habe ich spontan (also gänzlich gegen meine Natur) zugesagt. Und angefangen zu überlegen. Lesungen in Leipzig, das wäre doch generell ein Träumschen, wie die Sachsen sagen. Passend dazu bot der Selfpublisher-Verband für seine Mitglieder die Vermittlung von Lesungen an. Und da es kontraproduktiv ist, wenn ich bei solchen Entscheidungen zu viel Zeit zum Nachdenken habe, habe ich auch da gleich die Möglichkeit genutzt und meine Informationen hingeschickt. Auch hier würde es noch davon abhängen, ob sich eine interessierte Lokalität fände. Sicher war für mich nämlich, daß ich in der Stadt lesen wollte. Das Messegelände, mit so vielen Menschen auf so – verhältnismäßig – engem Raum war mir einfach zu viel. Weiterlesen „Wie man auf die Buchmesse geht, ohne auf die Buchmesse zu gehen – Teil I“

Die Schönaus und Leipzig III: Bombenangriff 1943

Am frühen Morgen des 4. Dezember 1943 erlebte Leipzig den bisher dahin verheerendsten Bombenangriff. Das hervorragende Buch Leipzig brennt enthält viele Augenzeugenberichte und Fotografien.

Auch Lotte und ihre Familie erleben diesen Angriff. Sie hat den Nachmittag bei ihren Eltern verbracht, in friedlicher Atmosphäre und mit – soweit unter den Umständen möglich – ein wenig vorweihnachtlicher Stimmung. Auf dem Heimweg muß sie eine monumentale Gewissensentscheidung treffen, bevor der Bombenangriff sie, das Hausmädchen Frieda und Lottes Kinder Agnes und Friedrich vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Lotte wälzte sich noch lange schlaflos im Bett, überlegte, ob sie anders hätte handeln sollen und fragte sich, wo Dorchen sein mochte. Als sie endlich einschlief, träumte sie in wirren Fetzen von Dorchen, der Gestapo und wie als Kontrast vom friedlichen Nachmittag im Hause ihrer Eltern. Das nur allzu bekannte Sirenengeheul riss sie aus dem Schlaf.
„Zwischen drei und vier Uhr, wie immer,“ murmelte Lotte schlaftrunken. Wären die Kinder nicht gewesen, wäre sie einfach liegengeblieben; sie nahm an, dass die Bomber auf dem Rückweg von Berlin waren. Dann hörte sie einen Knall und für eine Sekunde schien das ganze Haus zu beben. Lotte sprang aus dem Bett, aus dem Kinderzimmer drang das Weinen von Friedrich. Sie traf gleichzeitig mit Frieda im Kinderzimmer ein, wo sie die Kinder an die Hand nahmen. Im Flur zog Lotte sich und den Kindern hastig die Mäntel über, während ein schrilles Pfeifen von draußen zu vernehmen war.
„Koffer!“ rief Frieda. Sie griff mit einer Hand einen der Koffer, mit der anderen nach Friedrich, der sich eine kleine Tasche genommen hatte. Die Abläufe waren nach jahrelangen Luftalarmen automatisch, trotz der Angst. Weiterlesen „Die Schönaus und Leipzig III: Bombenangriff 1943“

Die Schönaus und Leipzig II: Politische Unruhen und Inflation

Im zweiten Teil der Reise in der Leipzig der Schönaus befinden wir uns zuerst im Jahr 1922. Das dort erwähnte Confectionshaus Ebert ist heute Sitz der Commerzbank und wunderschön restauriert. An der Stelle des Kaufhauses Althoff findet sich noch bis Ende März 2019 Karstadt.

Luise hatte Lotte und Dorchen von der Schule abgeholt, um mit ihnen neue Kleider zu kaufen. Die beiden Mädchen waren aufgeregt und freuten sich auf ihre neuen Sachen. Es war bewölkt und für Juni recht kühl, aber das störte Lotte und Dorchen nicht.
„Wo gehen wir zuerst hin?“ fragte Lotte.
„Zu Ebert und dann zu Althoff. Wenn ihr brav seid, bekommt ihr anschließend noch einen Kakao im Riquet.“
„Oh fein!“ rief Dorchen und Lotte sagte: „Und den Goethe müssen wir begrüßen.“
Luise sah die Tochter verwirrt an und Lotte grinste. „Vati hält immer kurz bei der Goethestatue am Naschmarkt.“
„Herrje, euer Vater… – So, hier ist Ebert.“
Lotte und Dorchen sahen bewundernd an der prächtigen Fassade des Confectionshauses Franz Ebert hoch. Sie liebten das herrschaftliche Gebäude mit den opulenten Verzierungen und dem vergoldeten Giebelturm. Weiterlesen „Die Schönaus und Leipzig II: Politische Unruhen und Inflation“

Die Schönaus und Leipzig I: Lotte sieht den Kaiser

Leipzig als Schauplatz für die Schönau-Bücher wurde nicht zufällig gewählt. Anders als die Geschehnisse und einige der Charaktere in den Büchern hat Leipzig zwar kaum Verbindung zu  meiner Familiengeschichte, aber mir ist diese wunderschöne Stadt persönlich sehr wichtig. Ich war beim ersten Besuch – der nun fast genau zehn Jahre zurückliegt – sofort ganz hin und weg. Für jeden Geschichtsinteressierten ist Leipzig eine wahre Fundgrube, für jeden Literaturinteressierten ebenso (und Goethe muß ich hier ja wohl nicht extra erwähnen), aber auch die so wundervoll restaurierten Gebäude der Innenstadt, die Gründerzeitpracht im Waldstraßenviertel sind atemberaubend. Und dann hat Leipzig einfach eine angenehme Atmosphäre – städtisch und doch gemütlich, mit herzlichen Menschen.
Genug der Leipzighymnen – auch wenn ich noch ziemlich lange so weitermachen könnte. In knapp zwei Wochen werde ich auf zwei Lesungen (am 22.03 und 23.03)  die Schönaus bei „Leipzig liest“ genau in der Stadt vorstellen können, die mir so wichtig ist und in den Büchern eine große Rolle spielt. Das ist eine besondere Freude für mich! Im Februar wurden die Schönaubücher im Leipziger Kulturmagazin ZeitPunkt auf Seite 20/21 bereits als „Leipziger Lektüre“ vorgestellt. Nun möchte ich gewissermaßen als Einstimmung auf die Leipziger Buchmesse einige Buchauszüge präsentieren, in denen Leipzig eine größere Rolle spielt. Der folgende (gekürzte) Ausschnitt spielt 1913, zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals. Weiterlesen „Die Schönaus und Leipzig I: Lotte sieht den Kaiser“