Wie Frankfurts Bürger bauliche Schmuckstücke ermöglichten

Frankfurt am Main verfügt über zahlreiche beindruckende Bauwerke aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Vor dem zweiten Weltkrieg entstandene Bilder zeigen, wie prächtig die Stadt insgesamt war. Dort, wo sich z.B. heute rund um die Hauptwache hässliche, gesichtslose Bauten erheben, bot sich vor dem Krieg ein harmonisches , ästhetisches Gesamtbild. Am Opernplatz bekommt man zum Glück auch heute noch eine Ahnung, wie Frankfurt einst aussah. Die Alte Oper selbst ist für mich eines der schönsten Gebäude überhaupt und entschieden mein Lieblingsgebäude in Frankfurt. Ich kann oft davor stehen und den Anblick genießen. Als ich noch nicht lange in Frankfurt wohnte und mir eine Freundin erzählte, daß dieses architektonische Prachtstück erst seit den 1980ern wieder in seiner Schönheit erstrahlt und davor jahrzehntelang Ruine war, konnte ich es kaum glauben. Der Wiederaufbau der Alten Oper ist u.a. der Hartnäckigkeit der Frankfurter Bürger zu verdanken, was zur Geschichte Frankfurts passt, denn es waren immer wieder die Bürger der Stadt, die große Bauvorhaben angingen und Frankfurt somit ein Aussehen bescherten, das mit jeder Residenzstadt mithalten konnte. Über die Alte Oper soll Kaiser Wilhelm I. sogar gesagt haben: „Das könnte ich mir in Berlin nicht erlauben.“ Es wird für die Frankfurter, welche 1866 von den Preußen besetzt, verschluckt und auf den Status einer Provinzstadt herabgestuft worden waren, eine besondere Genugtuung gewesen sein.

Frankfurt war bis zur preußischen Besetzung eine Freie Stadt, also ebenso eigenständig wie ein Königreich oder Herzogtum. Es wurde aber nicht von einem einzelnen Herrscher regiert, sondern von einer gewählten Stadtregierung, die aus einer Bürgerrepräsentation, einem Senat und zwei Bürgermeistern bestand. Somit gab es auch keinen Herrscher, der sich durch aufwendige Bauprojekte einen Ruf schaffen wollte. Aber es gab die rührigen Frankfurter Bürger, die auch ohne königliche Privatschatulle Wege fanden, ihre Stadt prächtig zu gestalten. Sie gingen dabei so vor, wie man es von findigen Geschäftsleuten erwartet. Einige der Bauwerke und ihre Entstehungsgeschichte möchte ich hier kurz vorstellen.


… hervorgehend aus dem Schoße des Bürgerthums, dem allgemeinen Besten gewidmet, unserer Stadt zur Zierde und Ehre

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Accouchierhäuser – diskretes Gebären im 18. und 19. Jahrhundert

Was uns heute ganz selbstverständlich erscheint – sich zu verlieben und sein Privatleben zu gestalten, mit oder ohne Hochzeit, mit oder ohne Kinder, stellte sich in früheren Jahrhunderten gleich aus mehreren Gründen schwierig dar. Während im 18. Jahrhundert der außereheliche Geschlechtsverkehr als „einfache Unzucht“ illegal war und bestraft wurde, erhielt man nur eine Heiratserlaubnis, wenn man genügend Geld hatte, um eine Familie eine Weile zu ernähren. Diese Regelung sollte verhindern, dass Gemeinden für den Unterhalt verarmter Familien aufkommen mussten, war also durchaus sinnvoll motiviert, allerdings auch lebensfremd. Diese Regelung traf natürlich vor allem ärmere Schichten und so war der Anteil unehelicher Geburten bei diesen sehr hoch. Dies brachte die betroffenen Frauen gleich in mehrere Zwangslagen. Die Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen war ebenso relevant wie jene vor gesellschaftlicher Ächtung. Auch die ganz profane materielle Frage musste bedacht werden. Hier gab es durchaus die Möglichkeit einer Vaterschaftsklage auf Unterhalt, aber selbst wenn die Frau sich entschied, diesen Weg zu gehen und damit erfolgreich war, hatte ein solches Urteil nur ein Nutzen, wenn der Kindsvater Unterhalt überhaupt zahlen konnte. So sahen viele Frauen keinen Ausweg, als ihr Kind umzubringen. Goethe hat den wahren Fall der Susanna Margaretha Brandt in seinem Faust literarisch verarbeitet und tatsächlich wurde zu der Zeit, in der er von diesem Fall erfuhr, das Thema der strengen Bestrafung von Kindsmorden heftig diskutiert und auch in der Literatur häufig behandelt. Das Bewusstsein für die ausweglose Situation unverheiratet schwangerer Frauen entwickelte sich und dies führte dazu, dass mit Beginn des 19. Jahrhunderts der Kindsmord in dieser Lage nicht mehr mit dem Tod bestraft wurde und auch der außereheliche Geschlechtsverkehr keine strafrechtlichen Sanktionen mehr erfuhr. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts (beginnend mit Göttingen, 1751) wurden im heutigen Deutschland die ersten Accouchierhäuser oder Gebärhäuser („accoucher“ ist das französische Wort für „entbinden“) gegründet, öffentliche Gebärhäuser gab es allerdings auch schon zweihundert Jahre vorher.

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