„Das ist nicht mein Kind!“ – Vaterschaftsklagen im 19. Jahrhundert

Im Rahmen einer Leserunde zu „Ferne Wolken“ kam aufgrund eines Handlungsstranges die Frage auf, ob ein Mann im 19. Jahrhundert erfolgreich dagegen vorgehen konnte, von einer schwangeren Frau als Vater ihres zukünftigen Kindes benannt zu werden. Oder weiter gefasst: wie ließ sich eine Vaterschaft / eine nicht bestehende Vaterschaft zu jener Zeit beweisen, welche Argumentation war vor Gericht erfolgreich?

Da diese Frage im Buch nicht relevant ist, hatte ich dazu kein Recherchewissen, aber meine Neugier sowohl als Autorin, wie auch als Juristin und geschichtlich interessierter Mensch war geweckt. Und so tat ich, was ich schon zu Studienzeiten so oft getan habe: ich wälzte mich durch alte juristische Artikel, Gesetzestexte und Urteile.

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Buchempfehlung: Die Schand-Luise

In „Die Schand Luise“ betrachtet Ulrike Grunewald das Leben einer wohl den meisten unbekannten Frau: Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800 – 1831), Schwiegermutter Queen Victorias. Die junge Dame betrachtet uns auf dem schlichten und gelungenen Titelbild mit großen Augen und der Andeutung eines in sich ruhenden Lächelns. Zu dem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, was für ein unruhiges und trauriges Leben sie erwarten wird. Weiterlesen „Buchempfehlung: Die Schand-Luise“

Buchempfehlung: Inconvenient People – Lunacy, Liberty and the Mad-Doctors in Victorian England

Ich habe kürzlich eines der unterhaltsamsten Sachbücher beendet, die ich zum Thema Psychologie des 19. Jahrhunderts  und Umgang mit den „Wahnsinnigen“ gelesen habe. Wenn Sie das zweite Buch der Allender-Trilogie gelesen haben, werden Sie wahrscheinlich bemerkt haben, dass es ein Thema ist, an dem ich sehr interessiert bin. Es ist ein schwieriges und dunkles Thema, eine Geschichte von (manchmal gut gemeinter) Ignoranz, aber auch von Missbrauch und oft schwierige Lesekost.

Inconvenient People – Lunacy, Liberty und die Mad-Doctors in Victorian England gelingt es, das Dunkle, das Witzige, das Absurde und das Informative zu einem Sachbuch zu kombinieren, das sich zeitweise wie ein guter Roman liest.
Die Autorin, Sarah Wise, erklärt die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung im viktorianischen England durch die chronologische Betrachtung verschiedener persönlicher Schicksale. Ihre individuellen Berichte bringen echtes Leben in die Erzählung, zumal Sarah Wise diese Menschen zum Leben erweckt. Sie sind nicht bloße Fälle, über deren psychische Gesundheit entschieden werden musste, sie werden echte Menschen und ich merkte, dass ich ihnen die Daumen drückte und für sie hoffte. Die Autorin hat sich viel Arbeit gemacht, um die Hintergrundgeschichte jeder Person herauszufinden, ein Bild von der sozialen Umgebung und dem Charakter der Person zu zeichnen. Es gibt ungefähr 10 Hauptfälle, einen für jedes Kapitel, und wir treffen mehrere von ihnen in späteren Kapiteln wieder. Weiterlesen „Buchempfehlung: Inconvenient People – Lunacy, Liberty and the Mad-Doctors in Victorian England“