Buchempfehlung: Willy Brandt in Erfurt

Es gibt Momente in der deutschen Nachkriegsgeschichte, die sofort Emotionen hervorrufen, bei denen ein Bild reicht, um sie zu vermitteln. So Brandts Kniefall in Warschau oder Genscher in der Prager Botschaft. Oder eben Willy Brandts Besuch in Erfurt, die jubelnden Menschen, sein Erscheinen am Fenster. Ich war zu der Zeit noch nicht einmal geboren, denke daran aber mit der gleichen Bewegung wie bei Genschers Rede in der Prager Botschaft. Immer, wenn ich in einem Zug sitze, der in Erfurt hält, betrachte ich den „Erfurter Hof“ direkt gegenüber vom Bahnhof, mit dem legendären Fenster. Über Jahre verfolgte ich traurig, wie das Gebäude vor sich hin verfiel. Nun ist es wieder schön hergerichtet und eine große Schrift „Willy Brandt ans Fenster“ erinnert an jenen denkwürdigen 19. März 1970. Weiterlesen „Buchempfehlung: Willy Brandt in Erfurt“

Buchempfehlung: Anna und der Goethe

Normalerweise empfehle ich hier nur historische Bücher, die zum Thema meiner eigenen Bücher passen, mir bei der Recherche und dem Hineinfühlen in die Gedanken und Gefühle der Menschen vergangener Zeiten helfen. Lucy Blohms „Anna und der Goethe“ ist nicht historisch, es ist ein in der heutigen Zeit spielender Entwicklungsroman. Aber abgesehen davon, daß es ein sehr unterhaltsames Buch ist, lernt man hier den guten Geheimrat Goethe mal von einer anderen Seite kennen. Für manche sicher auch ein toller Zugang zu unserem Universalgenie.

 

Am 9. Mai 1802 schrieb Goethe aus Jena an Schiller: „So einen, auf der äußern Form des Nächstvergangenen sich herumdrehenden Wahnsinn habe ich doch noch nicht gesehen. Doch wer will ein Wort für so eine Erscheinung finden. (…)Im Ganzen geht es mir hier sehr gut, und es würde noch besser gehen und werden, wenn ich meinen Aufenthalt noch einige Wochen hinausdehnen könnte.“

Die Sätze passen letztlich auch ganz gut auf Goethes Erfahrungen mit Anna in diesem lesenswerten Buch. Die Autorin beschreibt ihr Buch u.a. mit diesem Satz: „Wenn man den Roman in eine literarische Gattung stecken möchte, wäre es wohl ein lustiger Entwicklungsroman.“ Ich finde, diese Beschreibung passt gut. Wir begleiten Anna durch einen sehr ungewöhnlichen Entwicklungsprozess, wird dieser doch von Johann Wolfgang von Goethe persönlich unterstützt! Weiterlesen „Buchempfehlung: Anna und der Goethe“

Buchempfehlung: Zeit zu leben und Zeit zu sterben

Remarque entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsschriftsteller. Auf unnachahmliche Weise berichtet er in seinen Romanen über das Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil ist schnörkellos, ohne Pathos und dadurch besonders eindringlich. „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ befasst sich mit der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. 1944 ist der Krieg so gut wie verloren, was die fanatische menschenverachtende Diktatur nicht davon abhält, weiterhin Millionen zu opfern. Weiterlesen „Buchempfehlung: Zeit zu leben und Zeit zu sterben“

Buchempfehlung: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten

Erich Kästners autobiographisch angehauchte Erzählung über Jakob Fabian, der das ausschweifende Berlin der späten Weimarer Republik erlebt, und daran untergeht, wirft einen sehr klaren, von Schopenhauers Pessimismus geprägten Blick auf die Welt und die Menschheit. Das 1931 erschienene Buch ist an manchen Stellen sogar beängstigend prophetisch, so sagt Fabian im Gespräch mit einem Nazi: „Wo nehmt ihr die Dreistigkeit her, sechzig Millionen Menschen den Untergang zuzumuten, bloß weil ihr das Ehrgefühl von gekränkten Truthähnen habt und euch gern herumhaut?“ Weiterlesen „Buchempfehlung: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“

Buchempfehlung: Deutsche Geschichte

Prächtig illustrierter und gut geschriebener Detail-Überblick
Die Bücher von Dorling Kindersley sind bekannt für ihre herausragend bildhafte und farbige Ausstattung. Jedes Buch, das ich bisher von DK las, war schon ein visuelles Vergnügen. So ist dies genau der richtige Verlag für eine Bild-Enzyklopädie der deutschen Geschichte. Das Buch ist recht groß und schwer, so soll sich ein richtiges Buch anfühlen. Jede Doppelseite widmet sich chronologisch einem Thema der deutschen Geschichte; unterteilt ist das Buch in sieben Hauptabschnitte, die meines Erachtens eine gute Gliederung der historischen Epochen darstellen. Jedem dieser sieben Abschnitte ist eine Zusammenfassung dieser Epoche vorangestellt, gefolgt von einer chronologischen Zeitleiste. Auch diese ist sehr schön gestaltet und bereits mit zahlreichem Bildmaterial versehen.

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Buchempfehlung: „Eben noch unter Kronleuchtern – die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter“

Über die Revolution von 1918 gibt es verhältnismäßig wenige Bücher und schon alleine deshalb ist „Eben noch unter Kronleuchtern“ eine gute Idee. Christiane Böhm wählt in diesem Buch den interessanten Weg, dem Leser das Revolutionsgeschehen durch Zeitzeugenberichte nahezubringen, und zwar von jenen, die unmittelbar betroffen waren. Es hat mich sehr neugierig gemacht, zu lesen, wie die bayerische Königsfamilie die Revolution, die völlige Umkehrung ihres Lebens, empfunden hat. Weiterlesen „Buchempfehlung: „Eben noch unter Kronleuchtern – die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter““

Buchempfehlung: „Zerrissene Leben“

Ich bin immer froh, wenn Bücher über Geschichte die Perspektive der ganz normalen Menschen widerspiegeln und zeigen, wie deren Leben durch die Weltgeschichte beeinflußt wurde. Sehr gut gelungen ist dies in „Zerrissene Leben„, welches ich gerade beendet habe.

In „Zerrissene Leben“ begleiten wir zahlreiche Zeitzeugen durch das so unruhige 20. Jahrhundert. Es sind dies die in den 20er Jahren Geborenen, im Buch „Weimarer Kinder“ genannt. Auf gelungene Weise werden hier historische Fakten und Hintergrundinformationen mit den Stimmen der Zeitzeugen verbunden. Zahlreiche Zitate aus persönlichen Erinnerungen zeigen eindrucksvoll und auch unterhaltsam, wie die Menschen jener Zeit die Weltgeschichte erfuhren und wie sie ihr Leben beeinflußte. Der Titel „Zerrissene Leben“ ist hier sehr gut gewählt. Weiterlesen „Buchempfehlung: „Zerrissene Leben““

Buchempfehlung: Ein Akt der Vergebung

In Düsseldorf-Oberkassel befindet sich der angenehme, recht unauffällige Werner-Pfingst-Platz. Ich habe bei meinem Besuch in Oberkassel den Namen des Platzes nicht bemerkt und hätte auch gar nicht gewußt, welch interessante Geschichte dahinter steckt. Zum Glück hat mir eine liebe Bekannte die Geschichte erzählt und mir dann das bemerkenswerte Buch „Ein Akt der Vergebung“ geliehen. Werner Pfingst ist ein ehemaliger Einwohner Oberkassels, dem es zum Glück gelang, der Nazidiktatur rechtzeitig in die USA zu entfliehen. Leider war dieses Glück nicht all seinen Familienangehörigen vergönnt und so berichtet dieses Buch über viele deutsch-jüdische Schicksale, einige davon sehr tragisch, einige mit glücklichem Ende. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie die menschenverachtende Diktatur in eine deutsche Familie eingriff, sie auf ihr Jüdischsein reduzierte und sie dafür brutal verfolgte. Besonders beeindruckend ist es, daß dieses so sorgfältig recherchierte Buch die Arbeit dreier Gymnasialschülerinnen (der ehemaligen Schule Werner Pfingsts), eines Lehrers und eines Polizeibeamten ist. Unglaublich, was diese ungewöhnliche Kooperation an interessanten Fakten entdeckt und so gelungen in Buchform gebracht hat. Weiterlesen „Buchempfehlung: Ein Akt der Vergebung“

Buchempfehlung: Blaubeeren vergisst man nicht

Die wirkliche Geschichte findet nicht in den Geschichtsbüchern statt, sondern im Leben der ganz normalen Menschen, die von der „großen“ Geschichte beeinflußt werden und oft genug unter ihr leiden. Das möchte ich in meinen Büchern vermitteln und genau deshalb lese ich auch Lebensbeschreibungen und Zeitzeugendokumente so gerne. Im Rahmen meiner Buchrecherchen habe ich viele solcher Bücher oder Webseiten gelesen, oft las ich mich fest, auch wenn ich die für mich notwendigen Informationen schon gefunden hatte. Zu faszinierend waren die Schicksale der ganz normalen Menschen, die von der Weltgeschichte oft völlig durcheinandergewirbelt wurden.

Als ich nun die Möglichkeit erhielt, die Lebenserinnerungen einer Dame zu lesen, die 1923 in Oberschlesien geboren wurde und im Krieg einen Wiener heiratete, ab dann in Wien wohnte, war ich natürlich gleich angetan. Eine solche Geschichte wäre ohnehin interessant, hier hatte ich aber noch einen persönlichen Bezug, denn mein Großvater wurde 1920 geboren, zeitlich also nahe dran und zwei meiner Großeltern sind in ehemaligen deutschen Ostgebieten (Galizien, Ostpreußen) aufgewachsen. Beim Lesen fand sich dann noch eine weitere Parallele zur Lagerhaft meines Großonkels. Es war also, ich gebe es zu, auch eine sehr emotionale Erfahrung, dieses Buch zu lesen. Aber auch wer diese Verbindungen zu der Geschichte nicht hat, sollte dieses Buch lesen, den es ist ein bemerkenswert persönliches Zeitdokument. Weiterlesen „Buchempfehlung: Blaubeeren vergisst man nicht“

Leserunden bei Lovelybooks

Was ist Lovelybooks?

Ich habe es schon immer genossen, mich mit anderen über Bücher auszutauschen. Als ich noch Mitglied des British Clubs hier im Taunus war, habe ich an der abendlichen Book Group immer mit Vergnügen teilgenommen und so viele neue Bücher kennengelernt, interessante Diskussionen geführt. Das hat mir, als ich den Club verließ, sehr gefehlt – die Tradition der Book Clubs ist hier leider nicht so verbreitet wie in Großbritannien oder den USA. Schon aus diesem Grund war ich froh, als ich Lovelybooks entdeckte, eine Webseite, auf der es nur um Bücher geht. Man kann online seine Bibliothek führen und alle gelesenen Bücher dort eintragen, diese bewerten, entweder mit einer Kurzbewertung oder einer beliebig langen Rezension. Es gibt Bücher zu entdecken und, was ich am besten finde, man kann sich in Leserunden zu Büchern austauschen. Wer Goodreads kennt, wird das Prinzip von Lovelybooks wiedererkennen, anders als Goodreads ist Lovelybooks aber eine deutsche Webseite, auch wenn ich dort schon die gelegentliche englischsprachige Rezension las. Ich persönlich finde es übersichtlicher als Goodreads, wo ich auch Mitglied bin, aber das ist natürlich Geschmackssache.

 

Leserunde als Autor – soll ich es wagen?

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