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„Jede Sekunde unseres Daseins sind wir von der Geschichte beeinflusst.“
(Bürgerin aller Zeiten)

Wie erleben ganz normale Menschen Geschichte? Das ist die Frage, die ich in meinen historischen Romanen beantworten möchte, weil sie mich selbst von Kind an interessiert hat. Im Geschichtsunterricht und in den meisten Sachbüchern über Geschichte lernen wir viel über die Herrscher und andere bedeutende Persönlichkeiten, die die Geschichte beeinflussten. Die Auswirkungen auf den Großteil der Menschen werden oft nur am Rande behandelt, auch wenn Zeitzeugenberichte und Kulturgeschichten allmählich mehr Beachtung finden.

Ich komme aus einer Familie, die ausgesprochen stark von der Geschichte geprägt wurde. Meine Großelterngeneration stammt aus England, Ostpreußen, Ostdeutschland und Galizien (heutige Ukraine). Gerade der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre haben diese Menschen gehörig durcheinandergewirbelt, und wenn ich hörte, was Großeltern, Großtanten oder andere Verwandte berichteten, habe ich oft gedacht: „Das ist Stoff für einen Roman.“

Und so kamen die Leidenschaft für Geschichte und die Leidenschaft für das Schreiben irgendwann ganz natürlich zusammen. Geschrieben habe ich, seit ich schreiben kann – natürlich zu Beginn noch altersentsprechend einfach. Aber ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht irgendetwas schrieb, oder mir Geschichten ausdachte. Wenn ich nicht schrieb, las ich – meist historische Romane.

Als ich in den USA in der wundervollen Stadt Philadelphia wohnte, deren koloniales Viertel Society Hill Geschichte geradezu ausstrahlt, war es nur natürlich, mich an die Geschichte einer amerikanischen Familie zu setzen. Die Vereinigten Staaten sind so vielfältig, daß ich mich für die Trilogie über die Familie Allender nicht auf einen Ort beschränken konnte. Die Allender-Trilogie schrieb ich auf Englisch. Mittlerweile habe ich sie auf Deutsch übersetzt.

Irgendwann drängte sich aber auch die Geschichte meiner eigenen Familie immer mehr in mein Bewusstsein und wollte erzählt werden. Nur wo anfangen? In Galizien? In England? In Ostpreußen? Sollte ich alle Orte aufnehmen, die Geschichte aller Großelternteile in einem Roman erzählen? Das erschien mir letztlich zu komplex und so habe ich mich zunächst auf den ostdeutschen Zweig der Familie konzentriert. Diesen Zweig kannte ich am besten, meine Großtante hatte mir viele Dinge erzählt, mein verstorbener Großvater hat seine Geschichte und die seiner Vorfahren in Buchform aufgeschrieben. Ich war selbst an den ehemaligen Wohnorten, hatte die Möglichkeit, an der Universität Jena zu studieren, die vor dem Krieg für viele Familienmitglieder die Universität ihrer Wahl war. So war es leicht, diesen Teil der Familie literarisch wiederauferstehen zu lassen. Obwohl wir aus Thüringen stammen, habe ich den Ort der Handlung nach Leipzig verlegt. Ganz einfach, weil ich mich in Leipzig verliebt habe, die Geschichte faszinierend finde und die Schönaus dort sehr gut hinpassen. Die Dilogie über die Leipziger Familie Schönau ist das Persönlichste, was ich bisher geschrieben habe und ging mir sehr nah. Ich mußte nach vielen Szenen lange Schreibpausen einlegen, die historische Recherche fiel mir oft schwer. Nachdem ich die Bücher beendet hatte, brauchte ich über ein Jahr, um an ein neues Projekt überhaupt nur zu denken.

Nun widme ich mich dem historischen Frankfurt und bin damit wieder näher an meine momentane Heimat herangerückt. Wieder einmal ist es ein Erlebnis, eine mir bereits bekannte Stadt noch einmal ganz neu kennenzulernen. Vom alten Frankfurt ist nur noch sehr wenig übrig und man muß tief graben, ganz eintauchen in diese unbekannte Welt. Dieses Eintauchen macht Freude und so betrachte ich Frankfurt nun mit ganz anderen Augen – manchmal durchaus etwas wehmütig, denn so viel Malerisches ist verlorengegangen. Das alte Cronberg (heute: Kronberg), das gerade im dritten Band der Wallenfeld-Trilogie eine Rolle spielen wird, aber auch in den früheren Bänden schon ab und an mit dem Altkönig grüßt, der so weit sichtbar ist, ist dagegen noch gut erkennbar. Es war mir ein ganz privates Anliegen, diese hübsche und freundliche Stadt in die Geschichte der Familie Wallenfels einzubinden.

Die Geschichte des galizischen Zweiges der Familie spukt mir weiter im Kopf herum. Es wird also noch viele weitere Projekte geben und alle beschäftigen sich mit der Frage: Wie erlebten Menschen Geschichte?

Einige Fragen (so zu den Handlungsorten) habe ich schon auf der „Über mich“-Seite beantwortet. In meinem Blog gebe ich historische Informationen zur Allender-Trilogie, der Schönau-Dilogie und der Wallenfels-Trilogie, berichte auch ein wenig zu Lesungen und anderen Autorenerlebnissen. Doch natürlich schreibe ich in meinem Blog nicht nur über mich und meine Bücher, sondern über alle möglichen historischen Themen und auch über Bücher, die sich mit Geschichte beschäftigen – ob nun als Roman oder als Sachbuch. Es gibt also viel zu entdecken.